No Nation Truck ist wieder im Einsatz und hat Nachwuchs bekommen

No Nation Truck ist wieder im Einsatz und hat Nachwuchs bekommen
// eng below
… und zwar an der italienisch-französischen Grenze, wo unsere italienischen Genoss:innen rund ums Jahr Menschen versorgen und auffangen, die sich zu Fuß auf den beschwerlichen Weg über die Alpen gemacht haben. Anfang Juli ist unsere erste Crew in zwei Tagen aus dem Norden Richtung Grenze gefahren. 
Neben dem Truck ist vor kurzem auch unser NoNation Transit – ein flexibleres Auto mit kleiner Schlaf- und Kochmöglichkeit – an der Grenze angekommen. Der Ausbau des Transit wurde aus Spenden finanziert. Er ermöglicht es uns, vor Ort flexibel einzukaufen, spontan zwischen den Bergdörfern hin und herfahren zu können und ein weiteres Crewmitglied mit einer Schlafmöglichkeit zu versorgen.
In Oulx, 20 Kilometervom Grenzübergang Clavière entfernt, haben wir den Truck als Anlaufstelle für Menschen auf der Flucht wieder aufgebaut. Oulx liegt auf 1500 Metern, die Grenze zu Frankreich nochmal 500 Meter höher. Menschen auf der Flucht nehmen momentan vor allem die Handyladestation des Trucks in Anspruch.
Wir beobachten auch, dass sich Strukturen in der Region verändern: Momentan wird wenig medizinische Versorgung unsererseits benötigt, da die ärztliche Versorgung durch solidarische Strukturen in der Region abgedeckt wird. Außerdem ist ein Refuge (Anlaufstelle) in der Nähe entstanden, sodass Menschen nicht mehr zwangsläufig beim Truck Unterschlupf suchen müssen. 
Allerdings wissen wir aus dem vergangenen Jahr, dass solidarische Strukturen in dieser Region schnell von Repressionsbehörden angegriffen und zerstört werden. Wir hoffen zwar das Beste, aber bleiben auf das Schlimmste vorbereitet. 
Vielen Dank an alle, die unsere Arbeit durch ihren Support möglich machen! 
Grenzenlose Solidarität,
Die No Nation Truck Crew
/// English
No Nation Truck is back in action and has a new companion
… at the Italian-French border, where our Italian comrades take care of people who have made the dangerous journey across the Alps by foot. At the beginning of July, our first crew left for a journey of two days before arriving in the border region. 
In addition to the truck, our NoNation Transit – a more flexible car with small sleeping and cooking facilities – recently arrived at the border. The extension of the transit was financed by donations. It enables us to move on site, to drive spontaneously between the mountain villages and to provide another crew member with a place to sleep. 
In Oulx, 20 kilometers from the Clavière border crossing, we have rebuilt the Truck as a safe stop for people on the move. Oulx is located at 1500 meters, the border with France lies another 500 meters higher. People on the move are currently making use of the truck’s cell phone charging station in particular.
We also observe that structures in the region are changing: At the moment, little medical care is needed on our part, as medical care is covered by solidarity structures in the region. In addition, a refuge (drop-in center) has been established nearby, so people no longer necessarily have to seek shelter at the truck. 
However, we know from last year that solidarity structures in this region are quickly attacked and destroyed by repressive authorities. While we hope for the best, we remain prepared for the worst. 
Many thanks to all who make our work possible through their support! 
In solidarity,
The No Nation Truck Crew

no nation truck & Solibus e.V. bringen 48 Menschen von der ukrainischen Grenze nach Berlin

Nachdem die Situation in der Ukraine am 24. Februar endgültig eskaliert ist, haben wir uns als No Nation Truck Kollektiv entschlossen, etwas zu unternehmen. Der Truck selbst ist gerade mit dem ROSA Kollektiv nach Griechenland unterwegs, deshalb haben wir uns mit einem anderem Kollektiv verbündet: Dem Solibus. Gemeinsam sind wir am Freitag, den 25. Februar über Nacht an die ukrainische Grenze in Przemyśl, Polen, gefahren. Hier kommen die Züge aus Lviv an, aber auch der Grenzübergang Medyka ist nicht weit, wo Menschen zu Fuss und in Autos darauf warten, tröpfchenweise durch die Grenze gelassen zu werden.

Auf einem Parkplatz am Rand der Kleinstadt hat sich ein Busbahnhof entwickelt. Dutzende Menschen, hauptsächlich Pol:innen, halten Schilder in die Luft, auf denen sie Mitfahrgelegenheiten anbieten. Jene, die nicht von Freund:innen oder Familie abgeholt werden, kommen hierhin, um weiterzureisen. Viele standen bis zu einem Tag in der Kälte vor der Grenze, andere haben im Dunkeln während eines Bombenangriffs im überfüllten Zug stundenlang ausgeharrt. Viele sind erkältet, übermüdet, haben weder Geld noch Handynetz.

Auffällig war, dass kaum Menschen direkt nach Deutschland wollten, sondern vor allem weiter in Länder wie Frankreich, Belgien oder die Niederlande, wo sie Verwandte haben. Viele Menschen mit ukrainischem Pass wollten in Polen bleiben und suchten Mitfahrgelegenheiten in die nächsten Großstädte. Uns fiel auf, dass insbesondere Schwarze Menschen und People of Color hier stranden und nicht weiter wissen: Internationale Studierende, Menschen mit Asylstatus, Menschen mit internationalen Arbeitsvisa. Berichte häuften sich, dass diese Menschen es schon an den Grenzen besonders schwer gehabt haben, durchzukommen. Viele dieser Menschen wollten weiter nach Westeuropa, zu Verwandten oder Bekannten – in Polen hatten die wenigsten Kontakte.     

Knapp vier Stunden später machte sich der Solibus mit 48 Passagier:innen wieder auf den Weg nach Deutschland. Darunter eine Mutter mit Kind, deren Mann sie bis an die Grenze gefahren hatte, selbst aber im Land geblieben ist. Mittlerweile ist wehrfähigen Männern zwischen 18 und 60 Jahren die Ausreise verboten. Eine Familie aus Mali, die vor Krieg im Norden des Landes floh und in der Ukraine Asyl gesucht hatte. Zwei Studenten aus Algerien, die ein Auslandssemester in Kyjiw gemacht hatten. Zwei Männer aus Afghanistan, die erst kürzlich vor den Taliban flohen. Eine Frau aus dem Berliner Umland, die für eine Tagung in Kyjiw war. Alle diese 48 Geschichten sind individuell und doch haben sie eines gemeinsam: Sie alle suchen eine sichere Bleibe. Um vier Uhr nachts sind wir am Sonntag den 26.02. dann am ZOB in Berlin angekommen, wo die Reisenden von einem Team des No Nation Trucks erstversorgt und die weitere Reise organisiert wurde.

Der gleiche Bus, mit dem wir hier unterwegs waren, wurde noch vor wenigen Monaten an der polnisch-belarussischen Grenze abgewiesen und musste leer zurückfahren, während Menschen als politischer Spielball vor den Toren der EU erfroren. Die Solidarität mit den Geflüchteten der Ukraine ist wichtig und richtig– sie zeigt aber auch, wo die Prioritäten einer mehrheitlich weissen und christlichen Gesellschaft liegen, wenn es um Mitgefühl mit Geflüchteten geht. Auch bei der deutschen und polnischen Bahn ist bis Stand dieses Textes nur von Freifahrten für ukrainische Staatsbürger:innen die Rede. An der Grenze werden sie schwerer durchgelassen, an manchen Grenzpunkten gar nicht. Ausgerechnet jene, die oft zum zweiten Mal Schutz suchen, vor Krieg fliehen oder bereits vorher vertrieben wurden, haben es gerade besonders schwer. 

Außerdem gab Situationen an Bahnhöfen, wo People Of Colour aus den Zügen geschubst oder mit Gewalt am Einsteigen gehindert wurden. An einigen Grenzen gibt es getrennte Schlangen für Europäer:innen und Nicht-Europäer:innen. Auch in der öffentlichen Berichterstattung kursieren Formulierungen und Narrative die so offen rassistisch sind, dass wir sie nicht einmal wiederholen möchten. Diese Ungleichbehandlung ist nicht zu ertragen und durch nichts zu rechtfertigen.

Selbst noch im Angesicht von Krieg und Gewalt zeigt Europa ihren widerlichen Rassismus.

Wir fordern, dass ALLE Menschen auf der Flucht gleich solidarisch behandelt werden und werden uns weiter dafür einsetzen, dass ALLE dorthin gelangen, wo sie in Sicherheit und Frieden leben wollen!

no nation truck zurück in deutschland

Wie ihr wisst, ist der Truck nun zurück in Deutschland. Zeit bei allen Danke zu sagen für das gemeinsame Stemmen der ersten Mission. Danke dass ihr so viel Kraft und Zeit in den Truck und das Vorhaben gebuttert habt. Wir hoffen, über diesen Weg auch all diejenigen zu erreichen, die wir nicht direkt kontaktieren können.

Es ist krass viel passiert seit Anfang des Jahres:

Aufgrund der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Entwicklungen mussten wir uns von unserer Ursprungsidee – eine Mission in der Balkanregion – Abschied nehmen. Das war zunächst keine einfache Aufgabe, da unser Arbeitsansatz vor allem auf individuell gesammelten Erfahrungen von dort basierte. Dann im Januar trotzdem endlich der Start mit unserer ersten Scouting Crew in Caen in Nordfrankreich noch ohne Truck an der Grenze zu Großbritannien. Geflüchtete harren dort über Wochen und Monate aus und versuchen die gefährliche Route des Ärmelkanals in LKWs, Segel- oder Stand Up Paddle-Booten zu überqueren. Anschließend die Verlagerung der Supportarbeit mit der zweiten Crew nach Calais und Dunkirk, wo Geflüchtete von der Polizei in große inoffizielle Freiluftlager gedrängt und überwacht werden. Support erhalten sie dort von einem einzigartigen und gut ausgebauten Netzwerk nicht-staatlicher Gruppen und Organisationen. Dennoch begannen wir mit unserer Rolle zu struggeln, die sich aus den komplexen Macht- und Abhängigkeitsverhältnissen vor Ort ergab. Wir fragten uns, wie wir unsere Arbeit nachhaltiger gestalten könnten und ob unsere Rolle noch dem entsprach was wir wollten.

Als uns dann ein Aufruf italienischer Aktivist:innen erreichte, packten wir unseren Truck und fuhren in die Berge nach Claviere an die französisch-italienische Grenze. Hier verfolgten die Genoss:innen einen anderen Ansatz. In mehreren Anläufen versuchten sie hier Wohnraum zu schaffen, an denen Menschen mit und Menschen ohne Fluchterfahrung gemeinsam leben und wo alle den Support erhalten können, den sie sich wünschen – egal ob sie nur auf einen Tee oder für Jahre bleiben und sich ein Heim in der Gemeinschaft einrichten wollen. Viele von uns haben noch nie so viel Einsatz erlebt!

Wir haben stets versucht unsere Reichweite dafür zu nutzen, um Öffentlichkeit für die Situation von Menschen auf der Flucht im perfiden Spiel der EU mit Menschenleben zu schaffen und keine „Held:innengeschichten“ über uns selbst zu schreiben. Beim gleichzeitigen Druck Ergebnisse für all unsere zahlreichen Spender:innen zu präsentieren, haben wir es nicht immer geschafft diesen Konflikt aufzulösen. Daran arbeiten wir. Viele konnten wir mit diesen Berichten erreichen. Diese Arbeit werden wir fortsetzen. Wenn ihr up to date bleiben wollt, folgt unserem Telegram Infochannel: https://t.me/nonationtruckDer Truck wird jetzt erst mal frisch gemacht. Zeitgleich stehen wir bereits im Austausch mit einer neuen Gruppe für eine eventuelle Kooperation auf der nächsten Mission. Langfristig suchen wir weiterhin nach neuen Einsatzorten. Behaltet das gern im Hinterkopf, streut die Message und lasst uns wissen, wenn ihr von etwas Geeignetem hört. Wir verleihen den Truck auch an andere herrschaftskritsische Projekte.

Hier findet ihr unterstützenswerte Projekte, die wir unterwegs getroffen haben.

https://info-aidbus.org/en

https://www.mobilerefugeesupport.org/

http://www.utopia56.com/en

https://www.laubergedesmigrants.fr/en/

https://www.passamontagna.info/

ende unserer ersten mission

Nach der Räumung des besetzten „Refugios“ am 5. August haben sich die solidarischen Strukturen auf Grund des gestiegenen Repressionsdrucks aus dem direkt an der französisch-italienischen Grenze liegenden Bergdorf Claviere zurückziehen müssen. Da das daneben liegende Grenzcamp, zu dem unser Truck gehörte, ebenfalls Ziel der Repressionen war, mussten auch wir uns einen neuen Standort suchen. Gefunden haben wir diesen in dem 16 km von der Grenze entfernten und ca. 1000 Höhenmeter tiefer gelegenen italienischen Ort Oulx. Von dort aus konnte das Team die unterstützende Arbeit wieder aufnehmen, blieb aber auch hier von Polizeikontrollen nicht verschont.


Auch während der Zeit in Oulx entwickelten die Behörden zahlreiche neue Methoden, um die Situation für Menschen ohne Papiere weiter zu verschlechtern:

  • Zwang, den Schengenraum zu verlassen: Eine Praxis war selbst der ortsansäßigen Anwältin neu: Bei Weigerung einen Asylantrag in Italien zu stellen, werden den aufgegriffenen Personen nun Schreiben ausgestellt, in denen die italienischen Behörden das Verlassen des Schengen-Raums innerhalb einer 10-tägigen Frist fordern. Andernfalls drohe den Personen die Abschiebung in ihr Herkunftsland. Bis dahin war nur die Aufforderung zum Verlassen von Italien bekannt, aber nicht von ganz Europa.
  • Kontrollen im öffentlichen Busverkehr: Zudem beobachteten wir erstmals Zugangskontrollen zu den Bussen, die von Oulx in Richtung französischer Grenze fahren. Hierbei wurde Menschen ohne Papiere der Zugang zu den Bussen verwehrt. Dass dies ohne rechtliche Grundlage geschieht, zeigt der Fakt, dass diese Kontrollen durch die Anwesenheit von solidarischen Menschen meist beendet oder garnicht erst begonnen wurden.
  • Erschwerung der Route: Ab dem 1. Oktober wurde die Anzahl der Busse zur französischen Grenze auf 2 pro Tag reduziert, weil das französische Bussunternehmen ZOU die Haltestellen zwischen Oulx und der Grenze gestrichen hat. Somit sind die Linien des Unternehmens nicht mehr für Menschen ohne Papiere nutzbar. Dies soll laut Unternehmen bis Anfang 2022 so bleiben. Das bedeutet das Menschen ausgerechnet im Winter viele Stunden länger der Kälte ausgesetzt sind, da sie eine deutlich(!) weitere Strecke zu Fuß durch die Berge gehen müssen. Die Grenze ist so zu einen noch schwerer zu überwindenden Hindernis geworden.

Um dieser Entwicklung zumindest ein Stück weit entgegenzuwirken, wurde von solidarischen Strukturen das seit Jahren leer stehende „Casa Cantoniera“ am 3. Oktober in direkter Nähe zur Grenze besetzt.
Da die Struktur des Trucks seitdem weniger nötig war und weiteres Bleiben durch den Ausfall der Heizungsanlage und den einsetzenden Winter unmöglich wurde, war es an der Zeit für uns, Oulx zu verlassen, um in Deutschland wichtige Reparaturen durchzuführen.


Der Struggle an den europäischen Innen- und Außengrenzen geht weiter: Kurz nach unserer Ankunft in Deutschland erreichte uns die Nachricht der erneuten Räumung des zuvor besetzten Hauses — die Situation könnte damit für Menschen ohne Papiere in der eisigen Bergregion in den kommenden Wintermonaten kaum schlimmer sein. 


Wir rufen dazu auf, euch weiter über die Entwicklungen in der Region unter https://www.passamontagna.info/?lang=en zu informieren und darüber nachzudenken, wie ihr helfen könnt!

Update // Räumung des “Refugio” nach nur einer Woche

Vor einer Woche haben solidarische Strukturen in Claviere eine ehemalige Zollstation besetzt, um der Repression in der Grenzregion eine sichere Anlaufstelle entgegenzusetzen. Dieser Ort war so lange Symbol von Kontrolle, Repression und einem wahnsinnigen Grenzregime – nun hat er für eine kurze Zeit das Gegenteil bezweckt.


Doch nur eine Woche später, am 5. August, wurde das neu errichtete „Refugio“ von der italienischen Polizei am frühen Morgen geräumt. Der No Nation Truck befand sich in unmittelbarer Umgebung der ehemaligen Zollstation und wurde ebenfalls Zielscheibe der Repressionen. Eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse: 

Was ist passiert? Die Crew des Trucks wurde morgens um 6 Uhr von Polizei durch Klopfen geweckt. Unsere Crew versuchte Ruhe zu bewahren. Die Crewmitglieder wurden aus dem Truck geführt und ihre Personalien aufgenommen. Dabei wurden sie abgefilmt, während die Cops den Truck durchsuchten. Im Anschluss wurde der Truck durch die Crew abgeschlossen. Bisher ist unklar, unter welchem Vorwand unsere Crew eine Anzeige zu befürchten hat. Anschließend wurde unsere Crew abgeführt und mit anderen Aktivisti im Squat festgehalten. Stundenlang dauerte die Personenerfassung vor Ort an. Die Außenkoffer des Trucks wurden aufgebrochen, während die Cops im LKW alles mit Kamera abfilmten. Unsere internationalen Genoss*innen wurden außerdem mit weiteren Klagevorwürfen unter Druck gesetzt und erkennungsdienstlich behandelt. Bei anderen Autos wurden z.B. Dachfenster aufgebrochen, um sich Zutritt zu verschaffen. Im Anschluss konnten alle vom alten Camp in Kolonne weggefahren.


Womit ist jetzt zu rechnen?Europäische Behörden haben in der Vergangenheit immer wieder versucht, solidarische und selbstbestimmte Strukturen gegen das Grenzregime zu terrorisieren und in Grund und Boden zu klagen (siehe Iuventa10, El Hiblu etc.)


So ein Verfahren kann lange dauern, ist aber aussichtslos – weil Solidarität kein Verbrechen ist! Solidarische Netzwerke werden so lange bestehen, wie sie gebraucht werden und wachsen mit jedem Angriff nur enger zusammen.

UPDATE VON DER MONGENEVRE-GRENZE

Das Grenzcamp in Claviere, dessen Teil der No Nation Truck ist, leistet seit bald drei Monaten Widerstand!

Die Grenze und ihre tödliche Dynamik verändern sich weiter und von hier aus beobachten wir weiterhin die Gewalt, die die Staaten gegen diejenigen ausüben, die die Grenze überqueren wollen, und gegen diejenigen, die entschlossen sind, sich ihr zu widersetzen und dagegegen handeln.


An der Grenze sowie in den CPRs (Abschiebeknäste) und Gefängnissen ist die Gewalt des Staates dank des operativen Arms, den die humanitären Organisationen in Absprache mit der Präfektur und in direkter Zusammenarbeit mit der Polizei zur Verfügung stellen, spürbar. Das Rote Kreuz fährt jeden Abend nach Claviere um den aus Oulx kommenden Bus zu empfangen. Die Mitarbeiter:innen sind oft nach 22 Uhr abwesend, obwohl ihre angebliche Mission darin besteht, die medizinische Versorgung der Menschen zu gewährleisten, die die Berge überqueren oder sich auf der Flucht vor Gendarmerie, PAF (Police Aux Frontiéres – französische Grenzpolizei) und Militär verletzt haben.Tatsächlich beteiligt sich das Rote Kreuz in Absprache mit der italienischen und französischen Polizei an Push-Backs. In vielen Fällen ist der Krankenwagen selbst für den Transport der von der PAF abgewiesenen Personen in die Unterkunft in Oulx verantwortlich. Seit Monaten verteilen die Betreiber:innen des Roten Kreuzes ein Flugblatt, in dem sie die Menschen davor warnen, sich angesichts der Risiken in den Bergen in Gefahr zu begeben. Wir wissen, dass Berge gefährlich sein können, besonders wenn man nachts, in der Kälte und ohne Ortskenntnis wandert. Aber es ist die Anwesenheit der Polizei, die sie tödlich machen. Grenzen töten, sowohl im Mittelmeer als auch in Ventimiglia und in diesen Bergen, wo in den letzten Jahren vier Menschen gestorben sind und unzählige andere Opfer von Diebstahl, Schlägen und Übergriffen wurden. Auch in diesen letzten Wochen sahen wir Personen, die Verletzungen und Wunden erlitten, als sie vor der Polizei geflohen sind um so ihrer Kontrolle und Gewalt zu entkommen. Ebenfalls erlitt eine schwangere Frau eine Fehlgeburt, nachdem sie nachts zu Fuß die Grenze überquert hatte.


Repressionen haben auch gegen uns zugenommen: Jeden Tag werden wir observiert. Sie wollen uns einschüchtern und bedrohen, weil unsere Anwesenheit unangenehm ist, besonders mit der Ankunft der Sommersaison und des Tourismus.


Aus den Berichten von Menschen, die zurückgedrängt wurden, wissen wir, dass die italienische Polizei immer mehr in Pushbacks verwickelt ist. Uns wurde berichtet, dass die italienische Polizei vor einigen Tagen die Talitha Kum Unterkunft in Oulx betreten hat, um die Fingerabdrücke von vier Personen zu nehmen, die zuvor zurückgedrängt wurden.Vor ein paar Tagen wurde zudem bekannt, dass die Präfektur der Unterkunft 180 000 Euro zur Verfügung stellt. 


In den letzten Wochen kam die italienische Polizei in die französische Grenzpolizeistation (PAF), um vor Ort die Fingerabdrücke der in der Nacht verhafteten Menschen zu nehmen. Solche Kooperationen zwischen italienischer und französischer Polizei sind keine Überraschung, sondern ein klares Beispiel dafür, wie die Festung Europa ihre rassistische und unterdrückerische Politik gewaltsam durchsetzt, um das Leben von Menschen ohne Papiere zu verwalten und zu kontrollieren und um ihre inneren und äußeren Grenzen zu schützen. Es ist inzwischen gängige Praxis, dass Menschen, die zurückgedrängt wurden, einen Zettel bekommen, der sie verpflichtet sich auf der Turiner Polizeiwache zu melden. Das Stück Papier, die x-te Einschüchterung, stellt einen zwanghaften Versuch dar, Menschen, die unterwegs sind, in das System eines Staates zu integrieren, in dem sie offensichtlich nicht bleiben wollen.
Gegen Staaten, Grenzen und all ihre Kompliz:innen sollten wir uns organisieren und handeln.

Das widerständige, grenzüberschreitende Camp geht weiter, schließt euch uns an!

 

Neuer Einsatzort Oulx (Norditalien) 

Während unseren letzten Tagen am Ärmelkanal machten wir noch einmal am sogenannten BMX – einem Jungle in Calais – halt. Wir trafen dort auf eine Community aus Eritrea, deren Menschen mit uns überwiegend auf deutsch kommunizierten, da sie vor ihrem Aufenthalt in Frankreich mehrere Jahre in Deutschland verbracht haben. Es ist immer wieder erschreckend für uns, dass den Menschen so wenig Wertschätzung entgegengebracht wird und sie durch die hiesigen rassistischen strukturellen Bedingungen/Anforderungen wieder aus ihrer Wahlheimat verdrängt werden.  Da wir uns in den darauf folgenden Tagen in Richtung Oulx (Norditalien) aufmachten, verabschiedeten wir uns sowohl in Calais als auch am Grant Circle/Puthouck in Dunkirk von den dortigen Communities und starteten voller Enthusiasmus zu unserem neuen Einsatzort in Norditalien.

In Oulx befand sich seit 2018 das selbst verwaltetes Zentrum “Casa Cantoniera”, welches den Menschen, die die italienisch-französische Grenze überqueren wollten, zwischenzeitliches Obdach und viele andere Unterstützungsmöglichkeiten gewährte.
Dieses Zentrum unterlag einem großen Repressionsdruck der dortigen Behörden, die in diesem Jahr schlussendlich auch Mittel und Wege fanden, um das Zentrum zu schließen. Vor diesem Hintergrund verlauteten die italienischen Strukturen des ehemaligen “Casa Cantoniera” einen Ruf nach Unterstützung, da ihnen jegliche Infrastruktur genommen und jedweder unabhängiger Support auf der sehr gefährlichen Fluchtroute über die Alpen verunmöglicht wurde. Neben den italienischen Aktivsit*innen existieren nur wenige andere Organisationen, die sich dieser katastrophalen Situation annehmen. So findet man beispielsweise  eine mehr oder weniger improvisierte “Zeltstation” in Form eines einzelnen Kunststoffzelts vom Roten Kreuz. Folgt man aber Berichten ist jene Station keine echte Hilfe für People on the Move, da diese dort lediglich oberflächlich versorgt und nahezu paternalistisch behandelt werden. Somit war der No Nation Truck mehr als willkommen, um vor Ort ein Teil der Strukturen zu sein, die undogmatisch und direkte Unterstützung leisten wollen, ohne sich dabei einem institutionellen top-down Gefälle ergeben zu müssen. Der Auftakt unserer Ankunft war ein sogenanntes “Unlock the border Camp” am 14/15/16. Mai 2021, auf welchem unser Truck einen Teil der Infrastruktur stellte.

Das Wochenende kennzeichnete sich durch eine Demonstration, die die italienisch-französische Grenze überschritt und von Unterstützer*innen aus mehreren Städten und Communities besucht wurde. Neben der Demonstration fand ein großes Strukturplenum statt, in welchem unter anderem zukünftige Infrastrukturpläne besprochen wurden. Leider wurde auch dieses Wochenende von Polizeigewalt begleitet, wobei sich besonders die französischen Cops hervortaten und die friedliche Demonstration bedrängten.

Abschließend können wir durchaus von einem erfolgreichen  Wochenende durch das Camp sprechen. Dieses bestand länger als gedacht bis zum 19.05. Zudem konnte durch das Camp eine Struktur aufgestellt werden, die die Basic Needs von People on the Move sicherte. Allerdings müssen auch hier wieder die Repressionsorgane der örtlichen Grenzpolizei genannt werden, die sich aktiv an Push Backs in den Wäldern beteiligten. 
Unser Truck wird nun vorerst an der italienisch-französischen Grenze verweilen und vor Ort eine Anlaufstelle für Strom- und Nahrungsversorgung sowie für medizinische Ersthilfe sein. 

Abschlussbericht Calais

Die letzten Tage in Nordfrankreich sind für den NoNationTruck und seine Crew angebrochen. Wir wurden von einem Kollektiv in Italien angefragt, ob wir sie unterstützen können. Unser genaues Ziel werden wir in den kommenden Tagen bekannt geben.

Zurückblickend führte uns die erste Tour des Trucks in ein Gebiet, welches als Fluchhotspot 2015/2016 durch das große Camp „Jungle“mit bis zu 10 000 Bewohnerinnen bekannt wurde, allerdings schon seit den 90ern stetig als Anlaufpunkt für Menschen wuchs, die versuchten, nach England zu gelangen. So alt wie die Routen über die Hafenstädte Calais, Caen und Dunkerquerke schon sind, so lange gibt es dort auch schon Unterstützungsstrukturen. Diese Strukturen setzen sich aus unterschiedlichen Akteuren zusammen, welche gut organisiert flüchtende Menschen mit unter anderem Essen, Kleidung, Informationen und medizinischer Versorgung zu unterstützen. Waren es in den Anfängen insbesondere lokale Gruppen, Rentnerinnen und kirchliche Vertreterinnen, wuchsen internationale Organisationen mit dem Aufbau des „Jungle“ stark an und hatten finanziell auch immer mehr Möglichkeiten.

Die Unterstützung – so unser Eindruck – institutionalisierte sich, bekam ihre Routinen und auch die Öffentlichkeit „gewöhnte“ sich an das Elend, was dort herrscht. Gleichzeitig wird der staatliche Umgang mit den flüchtenden Menschen immer repressiver. Mit finanzieller Unterstützung aus Großbritannien wird das Polizeiaufgebot in der Region immer größer, flüchtende Menschen werden aus den Zentren der Städte verdrängt. Auch Gesetze wurden für die Region verschärft und die Rechtsprechung passt sich an. Menschen sollen mürbe gemacht werden, um abgeschreckt zu werden und möglichst kurz zu verweilen. Über die in diesem Zusammenhang zu erwähnenden regelmäßigen Räumungen haben wir bereits berichtet. In dieser Situation, in welcher die durchorganisierte Unterstützung der flüchtenden Menschen nichts daran zu ändern vermag, dass ihre Situation immer prekärer wird, fanden wir es nicht einfach, unsere eigene Rolle zu finden. Die Infrastruktur, die uns der Truck gibt – vornehmlich für Strom, Erste Hilfe und Essen – ist in Calais bereits sehr gut abgedeckt. Was es dort jedoch braucht sind Menschen, die diese Infrastruktur bespielen, aber auch den Blick für die politische Situation behalten. Menschen, die sich mit flüchtenden Menschen solidarisieren und gemeinsam mit ihnen kämpfen, anstatt sich als Helferinnen für unmündige Subjekte zu sehen.

Auf diesen gemeinsamen Kampf wollen wir weiterhin aufmerksam machen und ihn unterstützen. Beispielsweise durch mediale Aufmerksamkeit oder Unterstützer*innen. Von Orten wie Calais können wir alle viel lernen. Sei es wie sehr europäische Staaten alles dafür tun, um sichere Orte unzugänglich zu machen, wie sehr ihnen Menschen egal sind, die nicht die „richtige“ Staatsangehörigkeit haben. Aber auch wie all diese Bestrebungen, Menschen auf der Flucht nicht aufhalten können, wie sie weiter kämpfen, um ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten, auch wenn das bedeutet, jahrelang auf der Flucht zu sein, erneut in ein Schlauchboot zu steigen und das eigene Leben zu riskieren.Dieser Kampf ist nicht aufzuhalten und bedarf unser aller Solidarität.
Infos zu der Situation vor Ort findet Ihr u.a. unter https://calais.bordermonitoring.eu/

Update Dunkerque/Calais

Seit Ankunft des Trucks Anfang März fahren wir mehrmals wöchentlich zum Camp in den Park „Puythouck“, der mehr einer Brache gleicht und aufgrund des kleines Spielplatzes vor Ort, von allen nur der „Playground“ genannt wird. In dem informellen Camp leben zwischen 150 und 300 Menschen. Diese Zahl variiert stark, da dort eine hohe Fluktuation herrscht. Dies ist teilweise darauf zurückzuführen, dass es noch stetig Menschen gelingt, nach Großbritannien zu gelangen. Auch wenn bereits einige andere Gruppen vor Ort viele basic needs abdecken, wird unsere Ladestation, an der ungefähr 80 Endgeräte gleichzeitig laden können, sehr gut angenommen. Nach dem gemeinsamen Aufbau der Station, bleibt viel Zeit, sich auszutauschen und Tee zu trinken. Die individuellen Erlebnisse und Schicksale sind dabei vielfältig. Viele der Menschen haben bereits einige Jahre in Deutschland gelebt, doch aufgrund des Mangels von Perspektiven und der systematischen Ausgrenzung, sind viele weiterhin auf der Suche nach einem menschenwürdigeren Leben und versuchen daher nach Großbritannien zu gelangen. Zusätzlich haben wir bereits an einigen Freitagabenden für rund 100-150 Menschen gekocht, da an diesem Tag das Abendessen nicht von anderen Gruppen abgedeckt wird.
Dennoch sind die Menschen am “Playground” – wenngleich bedeutend weniger als in Calais – kontinuierlich immenser Repressionen durch die Polizei ausgesetzt. So werden Räumungen regelmäßig, als auch in unberechenbaren Zeitabständen duchgeführt, um die Bewohner*innen zu schikanieren. Bereits während unseres recht kurzen Aufenthalts in dieser Gegend, konnten wir beobachten, wie people on the move immer weiter in die Wälder des Parks zurückgedrängt, ihre Zelte zerstört werden und sie sich jedes Mal von Neuem zurechtfinden müssen.Letzten Freitag wurde das Camp erneut geräumt. Nur diesmal wurden die Zelte nicht einfach zerstört, sondern mit Baggern „abgetragen“ und zu einem neuen Ort, der ca. 5 km vom „Playground“ entfernt liegt, gebracht und dort wieder aufgebaut. Dieses neue Camp liegt abgelegen von der Stadt und der Straße, inmitten einer bewaldeten Brache neben Bahnschienen und einer Chemifabrik. Die Bewohner*innen des alten Camps wurden unter Androhung von Repressionen durch die Polizei dazu gebracht, mit ihren restlichen Sachen in das neue Camp  umzuziehen. Dort wurde sogar ein extra Bereich für die Arbeit der NGO‘s mit Kies aufgeschüttet und eine zusätzliche Wasserstelle installiert, die wohl gesagt viel zu klein für die hohe Anzahl an Menschen ist. Schon später am Tag wirkte es als existiere das Camp schon ewig.Die Strategie dieser Maßnahme ist offensichtlich. Camps wie dieses sollen außerhalb der Sichtweite der lokalen Bevölkerung verweilen, ganz nach dem Motto „aus den Augen, aus dem Sinn“. Dass dies keine Verbesserung der grundlegend beschissenen Situation, sondern lediglich eine Verlagerung der humanitären Katastrophe an einen anderen Ort darstellt, ist hierbei wohl ebenfalls offensichtlich.

Solidarität statt Charity!

Aktuelle Situation in Calais/Dunkerque

Aktuelle Situation in Calais/Dunkerque

Da es keine akute Dringlichkeit mehr für uns und den Truck in Caen gab (s. vorheriger Post), haben wir uns im Norden Frankreichs nach anderen Orten umgeschaut. Diesbezüglich sind wir unter anderem mit Aktivist*innen aus Calais und Umgebung in Kontakt getreten. Eine Region, die seit mehreren Jahren eine geografische Schnittstelle für Fluchtbewegungen in Europa darstellt. Calais und Umgebung beherbergt eine große Zahl Geflüchteter, die zudem einer immensen staatlichen Repression ausgesetzt sind. Aufgrund dessen haben wir uns vorerst dazu entschieden unsere Arbeit dorthin zu verlegen.

Die Stadt Calais ist vielen sicherlich ein Begriff, denn durch ihre geographische Lage an der mit 34 Kilometern engsten Stelle des Ärmelkanals, in deren Mitte die französisch-britische Staatsgrenze verläuft, ist sie seit jeher von Mobilität und Migration geprägt. Seit der Räumung des großen „Jungle“ im Herbst 2016 hat sich die Situation der Menschen auf der Flucht immer weiter prekarisiert. Der Zugang zu medizinischer Versorgung, Strom, Essen wird erschwert und eine erneute Urbanisierung der Camps soll mit allen Mittel verhindert werden. So leben derzeit etwa ungefähr 900 Menschen in kleineren informellen Camps, die sich in der Regel auf Grundstücken der Stadt befinden (Parks, Grünflächen, Parkplätze etc.) und deshalb ohne Räumungstitel geräumt werden dürfen. Daraus hat sich die perfide Routine entwickelt, dass die Camps alle zwei Tage durch die Cops geräumt werden, um einige Stunden später wieder genau dort errichtet zu werden. Da die Polizei alle persönlichen Gegenstände, Zelte und Feuerstellen zerstört, packen die Camp-Bewohner*innen ihre Sachen selbst zusammen, bringen sie weg und warten, bis die Polizei sich wieder entfernt. Vieles davon ist bereits sehr gut dokumentiert. [1] 

Trotz repressiver staatlicher Taktiken und erschwerter Bedingungen aufgrund der Corona-Pandemie sind weiterhin viele Organisationen vor Ort, welche die Versorgung mit Essen, Kleidung, Erster Hilfe und Feuerholz gewährleisten. Deswegen haben wir unseren Fokus auf den Raum Dunkerque verlagert, das knapp 40 km östlich von Calais liegt und nach diesem die am zweitstärksten frequentierte Fährverbindung zwischen dem Festland und Großbritannien ist. Entsprechend existieren seit den frühen 2000er Jahren auch im Raum Dunkerque kleine informelle Camps, so etwa in Téteghem und in der Kleinstadt Grande-Synthe, von der aus sowohl der Fährhafen als auch die zugehörigen Infrastrukturen des Fernlastverkehrs gut erreichbar sind. [2], [1, S.102] 

Das größte Camp dort befindet sich in einem Erholungs- und Naturgebiet namens Puythouk in Grande-Synthe, wo sich eine zum größten Teil kurdische Community aus dem Irak, Iran und Syrien aufhält. Auch dort gibt es einige Gruppen, die sich um die essentiellen Bedürfnisse kümmern und nach Vernetzung und Absprache mit ihnen, haben wir beschlossen, dort mit dem Truck regelmäßig eine Ladestation aufzubauen und gelegentlich zu kochen. Dazu im nächsten Beitrag mehr.

[1] https://bordermonitoring.eu/wp-content/uploads/2018/08/bm.eu-report-2018-calais-web.pdf)

[2] https://calais.bordermonitoring.eu/2020/03/25/vorgeschichte-teil-2-grande-synthe/#more-38)